Kirche Maria Himmelfahrt Schwedt/Oder
Inmitten der Neubaublöcken der einstigen sozialistischen Vorzeigestadt Schwedt ragt der spitze Kirchturm unserer Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt in die Höhe. Ein solche katholische Kirche an so exponierter Stelle inmitten der Stadt fällt auf und ist im protestantischen Brandenburg auch ungewöhnlich!
Beim näheren Betrachten fällt auf – das Kreuz auf der Spitze des Turms ist schief. Außerdem steht die Kirche nicht nach Osten gerichtet. Was ist also los mit dieser Kirche ?
Ende des 18. Jahrhunderts siedelten sich Kaufleute aus der katholischen Region Westfalen in Schwedt an. Dazu sind im 19. Jahrhundert mit der Garnison vermehrt katholische Soldaten nach Schwedt gekommen. So wurde seit 1830 zweimal jährlich ein Gottesdienst für die Militärgemeinde gehalten. Am 9. Januar 1853 hält Eduard Müller den ersten Gottesdienst der katholischen Zivilgemeinde Schwedt. So entstand der Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus.
Die treibende Kraft zu dieser Zeit waren Carl Ortmeyer und seine Familie, die das um 1852 erworbene Grundstück mit Gartenlokal und Tanzsaal 1853 der jungen Gemeinde zur Verfügung stellten.
Der Tanzsaal wurde dann zur Kapelle umgebaut und am 15. August 1853 feierlich eingeweiht. Im Jahre 1857 wurde Schwedt zur Missionspfarrei erklärt. Am 15. August 1895 war es dann soweit und die Bauarbeiten konnten beginnen. Der Grundstein für die Kirche wurde am 1. November 1895 gelegt.
Die katholische in Schwedt ist nach den Plänen des Berliners Bauinspektors Max Hasak im neugotischen Stil errichtet worden. Auffällig ist der 56 Meter hohe Turm mit seinem spitzen Dachreiter.
Es erfolgte eine Ausrichtung entlang der Grundstücksgrenze, die parallel zur heutigen Auguststraße / Bahnhofstraße verläuft. Damit war eine genaue Ost-Ausrichtung nicht möglich.
Außerdem wurde entschieden, den Turm mit dem Eingang in Richtung des heutigen Vierradener Platzes zu legen. Damit ist die Apsis (= der Altarraum) nun Richtung Westen gerichtet, und nicht wie üblich nach Osten.
Das Turmkreuz wurde aber bei der Sanierung im Jahr 1999 nach Osten ausgerichtet und steht damit heute leicht "schief".
Bezogen auf die Kirchturmspitze hat die Kirche folgende
geographische Koordinaten:
53° 03' 29'' nördliche Breite 14° 17' 14'' östliche Länge von Greenwich
Tanzsaal als erste Kirche
im Hintergrund das jetzige Gemeindehaus
Kirche um 2006
Die Kirchenchronik nennt den 20. Mai 1898 als Tag des Bauendes und am 24. Mai fand die feierliche Benediktion durch den fürstbischöflichen Delegaten Neuber aus Berlin statt. Die „Märkische Volkszeitung“ schrieb hierzu: „Nach dreijähriger Bauzeit und nach Überwindung großer Schwierigkeiten, welche letztere die außergewöhnlich lange Bauzeit verursachten, ist es endlich gelungen, die neue katholische Kirche fertig zu stellen!“.
Die Baukosten von 110.000 Mark wurden durch zahlreiche Spenden der Gläubigen und zu 75% aus den Stiftungen der Familien Ortmeyer und Krebs erbracht. Die Größe dieser Leistung wird deutlich, wenn man bedenkt, dass von den etwa 10.000 Schwedter Bürgern nur 300 dem katholischen Bekenntnis angehörten.
Im Jahre 1902 wurde die bisherige Missionspfarrei zur richtigen Pfarrei erhoben, da die Gemeinde sich weiter vergrößerte. Die drei Glocken der Kirche, die nach nur wenigen Jahren schon 1917 zu Kriegszwecken abgegeben werden mussten, schienen der einzige Tribut an die geschichtlichen Ereignisse in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu sein, den die katholische Kirche in Schwedt zu zahlen hatte.
In den letzten Kriegstagen des 2. Weltkrieges, am 18. April 1945 erhält die Kirche einen schweren Bombentreffer in das linke Seitenschiff. Ebenso wurde das Hauptportal beschädigt. In diesen letzten Kriegstagen wurde Schwedt zu fast 85% zerstört; die katholische Kirche blieb aber sonst von weiteren Schäden verschont.