Kirche Maria Himmelfahrt Schwedt/Oder
Inmitten der Neubaublöcken der einstigen sozialistischen Vorzeigestadt Schwedt ragt der spitze Kirchturm der katholischen Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt in die Höhe. Ein solches Bauwerk an exponierter Stelle inmitten der Stadt fällt auf!
Beim näheren Betrachten fällt noch etwas anderes auf – das Kreuz auf der Spitze des Turms ist schief. Was ist los mit dieser Kirche ?
Die katholische in Schwedt ist in den Jahren 1895 bis 1898 nach den Plänen des Berliners Bauinspektors Max Hasak im neugotischen Stil errichtet worden. Auffällig ist der 56 Meter hohe Turm mit seinem spitzen Dachreiter.
Bei der Ausrichtung der Kirche musste man sich an den Grundstücksgrenzen ausrichten. Deshalb ist die Kirche nicht ganz genau nach Osten ausgerichtet. Da der Eingang und Turm zum Vierradener Platz stehe sollten, ist die Kirche zudem um ca. 180° gedreht. (die Apsis ist also nach Westen ausgerichtet). Das Turmkreuz ist dagegen exakt nach Osten ausgerichtet, und deshalb leicht gedreht.
Mit dem Militär waren im 19. Jahhundert vermehrt katholische Soldaten nach Schwedt gekommen. So wurde seit 1830 zweimal jährlich ein Gottesdienst für die Militärgemeinde gehalten. Am 9. Januar 1853 hält Eduard Müller den ersten Gottesdienst der katholischen Zivilgemeinde Schwedt.
Das Innere der Kirche war ebenfalls nach dem Geschmack der damaligen Zeit neugotisch gestaltet.
Die Baukosten von 110.000 Mark wurden durch zahlreiche Spenden der Gläubigen und den Stiftungen der Familien Ortmeyer und Krebs aus eigenen Mitteln erbracht. Die Größe dieser Leistung wird deutlich, wenn man bedenkt, dass von den etwa 10.000 Schwedtern nur 300 dem katholischen Bekenntnis angehörten.
Die treibende Kraft zu dieser Zeit waren Carl Ortmeyer und seine Familie, die das um 1852 erworbene Grundstück mit Gartenlokal und Tanzsaal 1853 der jungen Gemeinde zur Verfügung stellten.
Der Tanzsaal wurde dann zur Kapelle umgebaut und am 15. August 1853 feierlich eingeweiht. Im Jahre 1857 wurde Schwedt zur Missionspfarrei erklärt. Am 15. August 1895 war es dann soweit und die Bauarbeiten konnten beginnen. Der Grundstein für die Kirche wurde am 1. November 1895 gelegt.
Die Kirchenchronik nennt den 20. Mai 1898 als Tag des Bauendes und am 24. Mai fand die feierliche Benediktion durch den fürstbischöflichen Delegaten Neuber aus Berlin statt. Die „Märkische Volkszeitung“ schrieb hierzu: „Nach dreijähriger Bauzeit und nach Überwindung großer Schwierigkeiten, welche letztere die außergewöhnlich lange Bauzeit verursachten, ist es endlich gelungen, die neue katholische Kirche fertig zu stellen!“.
Im Jahre 1902 wurde die bisherige Missionspfarrei zur richtigen Pfarrei erhoben, da die Gemeinde sich weiter vergrößerte. Die drei Glocken der Kirche, die nach nur wenigen Jahren schon 1917 zu Kriegszwecken abgegeben werden mussten, schien der einzige Tribut an die geschichtlichen Ereignisse in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu sein, den die katholische Kirche in Schwedt zu zahlen hatte.
In den letzten Kriegstagen des 2. Weltkrieges, am 18. April 1945 erhält die Kirche einen schweren Bombentreffer in das linke Seitenschiff. Ebenso wurde das Hauptportal beschädigt. Turm und Dach sowie der Hochaltar und die Orgel blieben aber unversehrt. In diesen letzten Kriegstagen wurde Schwedt zu fast 85% zerstört; die katholische Kirche blieb aber von weitere Schäden verschont.
zur Chronik -> folgt